„Man sollte jede Möglichkeit nutzen, um neue Kontakte zu knüpfen.“

Interview mit Maryna Shevchenko

ga., es. Maryna Shevchenko hat beim BLEIBdran+-Projekt am BWTW ein Sprachcoaching und den Computerkurs für Geflüchtete besucht. Unsere Kolleg*innen in Jena sprachen mit der Ingenieurin darüber, wie sich ihre Jobsuche gestaltet und welche Tipps sie für Menschen hat, die frisch nach Deutschland kommen.

BLEIBdran+: Hallo Maryna, könntest du dich zunächst unseren Leser*innen vorstellen und darüber berichten, wie es für dich nach deiner Ankunft in Deutschland war?

Maryna Shevchenko: Mein Name ist Maryna Shevchenko und ich bin 49 Jahre alt. Vor drei Jahren bin ich aus der Ukraine nach Deutschland gekommen, weil in der Ukraine Krieg ist. Jetzt wohne ich in Jena, weil hier auch meine Verwandten wohnen. In meinem Heimatland habe ich Ingenieurwesen studiert. Dabei habe ich mich auf Luft- und Raumfahrttechnik spezialisiert. Ich habe bereits 15 Jahre Erfahrung in diesem Bereich.

BLEIBdran+: Welche Erfahrung hast du schon mit der Stellensuche in Deutschland gemacht? Was war schwierig? Was hat dir dabei geholfen?

Maryna Shevchenko: Direkt nach meiner Ankunft in Deutschland wollte ich so schnell wie möglich arbeiten. Deshalb hat meine Verwandte mir geholfen, eine Stelle zu finden. In den Gesprächen mit Arbeitgebern hatte ich meine Verwandte als Übersetzerin dabei, weil ich nichts verstehen konnte. Das war auch der Grund, warum ich weggeschickt wurde. Da habe ich gemerkt, dass ich zuerst Deutsch lernen muss.

Ich bin immer auf der Suche nach Möglichkeiten, mich weiterzuentwickeln, um in meinem Beruf als Ingenieurin wieder arbeiten zu können. Deshalb habe ich mein Diplom als Ingenieurin anerkennen lassen. Das Verfahren hat ca. acht Monate gedauert, aber ich habe zeitgleich den Deutschkurs besucht.

Für ein gutes Leben und eine passende Arbeit wollte ich Deutsch lernen, was ich seit über drei Jahren mache und ich weiß, dass ich noch weiter lernen muss. Deutsch ist keine einfache Sprache, weshalb ich die erste B2-Prüfung nicht bestanden habe. Dank des BLEIBdran+-Projektes konnte ich von Guncha Atayeva ein Sprachcoaching erhalten und bin stolz darauf, sagen zu können, dass ich vor Kurzem die B2-Prüfung bestanden habe. Ich freue mich sehr darüber, dass ich jetzt meine Deutschkenntnisse im Alltag verwenden kann, dass ich Vieles verstehen und sagen kann.

Zusätzlich habe ich verschiedene Jobmessen und Workshops besucht und später ein persönliches Bewerbungscoaching bei Ev Sauerbrey gemacht. Durch eine Freundin habe ich erfahren, dass das BWTW in dem Projekt BLEIBdran+ auch einen Computerkurs für geflüchtete Menschen anbietet. Dabei konnte ich mein Wissen in MS Word und Excel auffrischen, was gut für meinen späteren Einstieg ins Berufsleben sein wird. Ich bin froh, dass ich damals über den Kurs informiert wurde, denn dadurch bin ich auch auf andere Angebote aufmerksam geworden.

BLEIBdran+: Wie sieht jetzt dein weiterer Weg aus?

Maryna Shevchenko: Jetzt bin ich aktiv in dem Prozess, eine passende Weiterbildung für mich zu finden, denn der Arbeitsmarkt erfordert eine ständige Weiterentwicklung. Ich verstehe, dass sich die Technik und Technologie weiterentwickeln, dass immer neue Software auf den Markt kommt und dass ich meine Qualifikationen an diese neuen Anforderungen anpassen muss. Es ist jedoch nicht einfach, eine passende Weiterbildung oder einen passenden Job zu finden, weil die Technologien in Deutschland fortgeschrittener sind als in meinem Heimatland. Zum Beispiel habe ich Zeichnungen früher auf Papier angefertigt und hier wird heutzutage alles am Computer gemacht und dafür benötigt man Kenntnisse mit bestimmten Programmen. Aus diesem Grund wünsche ich mir eine Weiterbildung mit theoretischen und praktischen Teilen, um meine Erfahrungen zu vertiefen.

Parallel suche ich aber auch nach einer Arbeit, weil ich weiß, dass gute Arbeitgeber die Mitarbeiter fördern. Ich wünsche mir eine Arbeitsstelle, wo ich mein Wissen anwenden kann, wo ein angenehmes Arbeitsklima ist und wo ich genug Geld bekomme, um nicht mehr von Sozialleistungen abhängig zu sein.

BLEIBdran+: Was möchtest du anderen Personen sagen, die jetzt erst in Deutschland ankommen?

Maryna Shevchenko: Rückblickend verstehe ich, dass ich meine bisherige Zeit in Deutschland durch all diese Angebote wirklich sinnvoll genutzt habe. Jetzt fühle ich mich sicherer im Vergleich zu anderen, die diese Chance nicht hatten. Ich bin sehr dankbar, dass ich hier netten Menschen begegnet bin. Menschen, die mir auch heute noch Rat geben und mich unterstützen, wenn ich Hilfe brauche. Deswegen würde ich anderen folgende Tipps geben:

1. Deutsch lernen: Die Sprache ist für das Kommunizieren am wichtigsten. Man braucht die Sprache für alle kommenden Schritte. So kann man alle wichtigen Fragen stellen und die Antworten auch verstehen.

2. Fragen stellen: Meiner Meinung nach sind Deutsche immer hilfsbereit und man sollte jede Möglichkeit nutzen, um neue Kontakte zu knüpfen und um zu lernen. Da habe ich bisher nur positive Erfahrungen gemacht.

3. Mein letzter Tipp: Habt immer einen Regenschirm dabei.

BLEIBdran+: Vielen Dank für das Interview und den Einblick in deine bisherigen Erfahrungen hier in Deutschland, Maryna. Das Team von BLEIBdran+ wünscht dir viel Erfolg und tolle Erfahrungen auf deinem weiteren Weg. Bei Fragen kannst du dich jederzeit an uns wenden.