„Mein Herz sagt, dass ich ein kleines Restaurant aufmachen möchte.“
Interview mit Tsega Merede Asgedom
nj. Tsega Merede Asgedom gehört zu den Teilnehmer*innen, die am längsten Kontakt zum IBS gehalten haben. 2014 kam er ins Projekt „to arrange – pro job. Initiativ Flüchtlinge in Arbeit“. Bis heute besucht er seine Beraterin Nancy Jessulat und hält sie auf dem Laufenden. Im Projekt BLEIBdran+ ist er nun erneut als Teilnehmer aufgenommen wurden. Nancy Jessulat sprach mit ihm darüber, wie es ihm in den vergangenen elf Jahren erging und warum er nun erneut ein Projekt am IBS besucht.
BLEIBdran+: Hallo Tsega, 2014, vor mehr als zehn Jahren, warst du das erste Mal Teilnehmer eines Projekts für Geflüchtete am IBS. Kannst du ein bisschen über dich erzählen und wie du zum IBS gekommen bist?
Tsega Merede Asgedom: Ja, gern. Ich heiße Tsega Merede Asgedom und ich komme aus Eritrea. Ich bin 37 Jahre alt. 2014 bin ich mit meiner Frau nach Deutschland geflohen und habe einen Asylantrag gestellt. Damals durften wir noch keinen Integrationskurs besuchen, weil wir keine Aufenthaltserlaubnis hatten. Ein Freund hat mir von IBS erzählt und gesagt, dass es dort einen Deutschkurs gibt und Unterstützung bei der Jobsuche. Ich wollte in Deutschland leben und dafür etwas tun. Ich habe an dem Berufsorientierungskurs teilgenommen, bei dem wir auch die Sprache gelernt haben. Wir haben ganz unterschiedliche Berufsfelder kennengelernt und immer eine Woche Praktikum gemacht, z. B. im Metallbereich, in einer KFZ- Werkstatt und als Maler/Lackierer. Beim ERFURT Bildungszentrum habe ich auch einen Computerkurs besucht.
BLEIBdran+: Wie war dann dein weiterer beruflicher Weg?
Tsega Merede Asgedom: Über das Projekt „to arrange“ konnte ich an einem ESF-BAMF-Sprachkurs teilnehmen und habe dort Sprachkenntnisse auf dem Niveau A2 erworben.
In der beruflichen Beratung bei Frau Jessulat haben wir über Ausbildungsmöglichkeiten gesprochen. Ich habe in meinem Heimatland nur acht Jahre die Schule besucht und hatte keinen Schulabschluss. Ich hatte mehrere Jahre als Schneider gearbeitet und wollte dies auch gern wieder in Deutschland machen. Ich habe aber gemerkt, dass dies in Thüringen nicht so leicht ist und es kaum Ausbildungsplätze für Schneider gibt. Ich hatte nach meiner Flucht in den Sudan auch eine Zeit lang als Koch gearbeitet. Kochen war damals nur ein Hobby. Um hier zu arbeiten, entschied ich mich, eine Ausbildung zum Koch zu machen. Ich machte 2016 zwei Praktika in Restaurantküchen und hatte danach von beiden Zusagen für eine Ausbildung. Ich entschied mich für das Mercure Hotel und lernte drei Jahre lang Koch. Ich hatte auch Glück und konnte vor der Ausbildung noch an einem Integrationskurs teilnehmen und so ein B1-Zertifikat erwerben.
(Anmerkung: Im Oktober 2015 wurden die Integrationskurse für Menschen mit guter Bleibeperspektive geöffnet. Zu diesen Herkunftsländern zählten neben Eritrea auch Syrien, Irak und Iran.)
Die Zeit vor der Ausbildung war ganz schön schwer für mich und meine Familie. Unser Aufenthalt in Deutschland war unsicher, weil wir einen Aufenthalt in Italien hatten und wir sollten dorthin zurückgehen.
Das Hotel, in dem ich dann die Ausbildung gemacht habe, war auch unsicher, ob sie mich einstellen können, weil ich keine Aufenthaltserlaubnis hatte, und sie wollten eine Bestätigung von der Ausländerbehörde haben.
Wir mussten bis vors Gericht gehen. Meine Frau hatte gerade unser erstes Kind geboren, das war eine sehr schwere Zeit für uns. Kurz vor Beginn der Ausbildung haben wir dann aber zum Glück die Anerkennung als Flüchtlinge bekommen und konnten in Deutschland bleiben.
Ich habe 2019 erfolgreich meine Ausbildung abgeschlossen und im Anschluss noch ein Jahr weiter in dem Hotel gearbeitet. Danach habe ich noch in anderen Restaurants gearbeitet, um noch mehr Erfahrungen zu sammeln. Seit 2024 arbeite ich nun als Koch im Pelto Bad in Sohnstedt.
BLEIBdran+: Wie verlief die Ausbildung?
Tsega Merede Asgedom: Am Anfang war die Ausbildung für mich sehr schwer wegen der Sprache. Ich dachte, ich schaffe das nicht und muss aufhören. Aber eine Lehrerin an der DeHoGa hat mir Mut gemacht. Sie hat gesagt: „Wir schaffen das, ich helfe dir gern“. Also habe ich weitergemacht und es versucht und meine Noten wurden immer besser und ich habe meine Ausbildung geschafft.
BLEIBdran+: Welche Unterstützung hast du in der Zeit bekommen?
Tsega Merede Asgedom: Das Projekt hat mich sehr unterstützt. Ohne das Projekt hätte ich nicht die Sprache lernen können. Ich hatte viel Unterstützung bei der Praktika- und Ausbildungssuche. Frau Jessulat hat mir bei Anträgen geholfen und eine Ausbildungsbegleiterin vermittelt. Das IBS hat auch die Kosten für das Messerset übernommen, welches ich für die Ausbildung brauchte. Der Flüchtlingsrat hat mir sehr bei meinen Problemen mit dem Aufenthalt geholfen und am EBZ konnte ich einen Computerkurs machen.
Jetzt bin ich wieder beim IBS und bei BLEIBdran+ bei Frau Jessulat, damit ich eine Niederlassungserlaubnis bekomme. Ich habe mittlerweile zwei Kinder, sie kennen nur Deutschland. Ich möchte, dass sie sich hier sicher fühlen können.
BLEIBdran+: Wie sieht dein weiterer Weg aus? Was wünschst du dir?
Tsega Merede Asgedom: Mein Herz sagt immer, dass ich gern ein eigenes kleines Restaurant aufmachen möchte, z. B. mit afrikanisch-deutscher Küche.
Zur Zeit ist das aber leider sehr schwierig, da ich ohne Niederlassungserlaubnis auch keinen Kredit bekomme. Ich werde es aber weiter versuchen.
BLEIBdran+: Vielen Dank für das Interview, Tsega. Das BLEIBdran+-Team wünscht dir viel Erfolg für deinen weiteren Karriereweg! Wir unterstützen dich selbstverständlich gern weiter mit unseren Angeboten und drücken die Daumen für die Niederlassungserlaubnis.



Bild von jessica45 auf Pixabay