„Ich musste zwei Monate zu Hause sitzen und durfte nicht arbeiten.“
Interview mit Kareem Ali Kareem
gh. Seit Kareem Ali Kareem in Deutschland lebt, ist er bei demselben Unternehmen tätig. Erst über eine Zeitarbeitsfirma, dann mit befristetem Vertrag und schließlich über eine Festanstellung. Trotzdem musste er zahlreiche Hürden überwinden. BLEIBdran+ hat ihn auf seinem Weg unterstützt. Wir freuen uns, dass er sich zu einem Interview bereit erklärt hat.
BLEIBdran+: Vielen Dank, dass Sie sich für uns Zeit genommen haben. Können Sie sich unseren Leser*innen kurz vorstellen?
Kareem Ali Kareem: Hallo, mein Name ist Kareem Ali Kareem. Ich bin 27 Jahre alt und komme aus dem Nordirak. Ich bin im November 2021 nach Deutschland gekommen und lebe seitdem in Thüringen.
BLEIBdran+: Warum haben Sie damals Kontakt zum Projekt BLEIBdran+ aufgenommen?
Kareem Ali Kareem: Als ich nach Deutschland kam, habe ich angefangen zu arbeiten. Über eine Zeitarbeitsfirma bin ich zum Opel-Werk in Eisenach gekommen. Das war im Januar 2023. Dann wurde mein Asylantrag abgelehnt und ich bekam eine Duldung, durfte nicht mehr arbeiten und auch Erfurt nicht verlassen. Dann bin ich zum Flüchtlingsrat gegangen. Mit der Hilfe von Herrn Elshof habe ich dann einen Härtefallantrag gestellt.
BLEIBdran+: Wie hat Sie der Flüchtlingsrat Thüringen e. V. dabei unterstützt?
Kareem Ali Kareem: Herr Elshof hat sich ganz viel um die Dokumente und Anträge für die Ausländerbehörde gekümmert. Mein Deutsch war sehr schlecht. Er hat mir auch gesagt, welche Dokumente ich noch einreichen muss. Er hat auch oft mit Frau Sommer von der Härtefallkommission telefoniert. Sie hat mich auch viel unterstützt.
BLEIBdran+: Und was kam dabei heraus?
Kareem Ali Kareem: Zuerst musste ich lange warten. Ich konnte zwei Monate nur zu Hause sitzen, das war sehr schwer für mich. Aber dann habe ich einen Aufenthalt bekommen und durfte wieder arbeiten. Die Zeitarbeitsfirma und Opel haben sich auch sehr gefreut. Die hatten auch Briefe geschrieben, damit ich einen Aufenthalt bekomme.
BLEIBdran+: Sind Sie noch bei der Firma?
Kareem Ali Kareem: Ich war 18 Monate bei der Zeitarbeitsfirma und dann habe ich von Opel einen befristeten Arbeitsvertrag bekommen. Im Dezember habe ich auch meinen „Leben in Deutschland“-Test bestanden. Jetzt wurde mein Aufenthalt um drei Jahre verlängert und ich habe einen unbefristeten Arbeitsvertrag von Opel bekommen. Ich freue mich sehr darüber und habe auch gleich Herrn Elshof angerufen, um ihm davon zu erzählen.
BLEIBdran+: Herzlichen Glückwunsch. Das sind sehr gute Neuigkeiten. Wie geht es denn jetzt für Sie weiter?
Kareem Ali Kareem: Ich mache gerade einen Berufssprachkurs bei Opel. Also der Kurs ist von „Sprache und Bildung Jetzt“, aber wir nutzen einen Raum von Opel. Es ist schon sehr schwer, weil ich nach der Arbeit manchmal müde bin und dann noch zum Kurs muss. Aber ich versuche, viel zu lernen, weil ich auch noch die Prüfung für B1 machen möchte. Meinen Führerschein habe ich schon in Deutschland gemacht. Ich fahre aber auch gern Fahrrad oder mache Sport. Trotzdem ist es schwer. Ich habe eine sehr große Familie im Nordirak und ich bin hier allein. Ich vermisse sie sehr.
BLEIBdran+: Welche Wünsche haben Sie für Ihre Zukunft?
Kareem Ali Kareem: Ich würde gern eine Ausbildung machen. Mein Hauptschulabschluss aus dem Irak wurde jetzt auch anerkannt. Aber mein Deutsch muss erst besser werden. Ich möchte auch ein Ehrenamt machen, um meine Sprache zu verbessern. Auf der Arbeit kann ich nur in der Pause mit den Kollegen Deutsch sprechen. Ich habe auch schon E-Mails rausgeschickt für ein Ehrenamt und warte auf eine Antwort.
BLEIBdran+: Vielen Dank für das Interview. Wir wünschen Ihnen viel Erfolg auf Ihrem Weg.



Foto von Vitaly Gariev auf Unsplash