Saalbild mit Teilnehmenden im Gespräch

Innovative Ansätze zur Arbeitsmarktintegration von Geflüchteten – Gute Praxis aus Jobcentern und Agenturen für Arbeit

Gastbeitrag von Ildikó Pallmann | Minor – Projektkontor für Bildung und Forschung (IQ Fachstelle Einwanderung und Integration) und Nadja Türke | Minor – Projektkontor für Bildung und Forschung (Sefa)

Im Oktober 2023 führte die Bundesregierung den Job-Turbo ein, um die Arbeitsmarktintegration von Zugewanderten voranzubringen. Mit dem Ziel, Jobcentern und Agenturen für Arbeit in diesem Kontext einen Raum für den Austausch von Erfahrungen und guter Praxis zu bieten, begleitete die Fachstelle Einwanderung und Integration im Förderprogramm IQ – Integration durch Qualifizierung von 2024 bis 2025 interessierte Dienststellen im Rahmen eines Kompetenz- und Transferprozesses. Eng abgestimmt wurde der Prozess mit der Stabstelle des Sonderbeauftragen für die Integration von geflüchteten Menschen in den Arbeitsmarkt und dem Bundesministerium für Arbeit und Soziales.

An dem Prozess nahmen insgesamt 120 Mitarbeitende aus Jobcentern, Agenturen und Regionaldirektionen teil. Die Auswahl der Themen für den Wissenstransfer erfolgte durch die Beteiligten. Auf zwei davon, die Zusammenarbeit zwischen den Jobcentern und dem Arbeitgeber-Service (AG-S) sowie die Arbeitsmarktintegration von geflüchteten Frauen, wird im Folgenden näher eingegangen.

Zusammenarbeit zwischen Jobcentern und dem Arbeitgeber-Service der Agentur für Arbeit

Um die Ziele des Job-Turbos zu erreichen, ist eine verstärkte Kooperation zwischen Jobcentern und AG-S notwendig. Zwar gibt es an vielen Orten einen gemeinsamen AG-S, daraus ergibt sich jedoch nicht zwangsläufig eine gute Zusammenarbeit. Aus Sicht der am Kompetenz- und Transferprozess Beteiligten gelingt diese insbesondere dann, wenn die Kooperation nicht nur formell vereinbart, sondern verbindlich gestaltet und klar strukturiert ist. Wichtig ist hierfür eine klare Rollen- und Aufgabenaufteilung.

Ein erfolgreiches Beispiel ist die Arbeitsgruppe „Münchner Branchenblick“, ein Kooperationsformat des Jobcenters München und der dortigen Agentur für Arbeit. Das Format adressiert Bewerber*innen beider Rechtskreise und organisiert regelmäßig branchenspezifische Bewerbertage, die gezieltere Angebote für Bewerber*innen und passgenauere Matching-Vorschläge für Unternehmen ermöglichen. Die Umsetzung erfolgt mit ein bis drei Arbeitgebenden und bis zu 50 vorab ausgewählten Bewerber*innen. Die Mitarbeitenden des AG-S begleiten die Bewerbungsgespräche, beraten zu Fördermöglichkeiten und sorgen für eine gezielte Nachhaltung. So gelingt ein Format von überschaubarem Ressourceneinsatz mit hoher Vermittlungswirkung.

Auch die Erfahrungen des Jobcenters Waldshut zeigen, dass die enge Zusammenarbeit mit dem AG-S zu kurzen Wegen, gebündelten Informationen sowie zu schnelleren und zielgerichteteren Vermittlungen führt. Basierend auf einer gemeinsamen Analyse des Kund*innenstamms bzgl. der Erwerbsfähigkeit sowie des Arbeitsmarkts mit Fokus auf Branchen mit Personalbedarf werden Personen mit hohen Integrationschancen vom AG-S zu individuellen Beratungen eingeladen. Für arbeitsmarktbereite Teilnehmende werden Netzwerke mit Arbeitgebenden aufgebaut, Infomappen zur besseren Vorbereitung der Termine bereitgestellt und bei Bedarf eine Begleitung zu Vorstellungsgesprächen organisiert. Bewerbertage und individuelle Kontaktmöglichkeiten mit Unternehmen runden das Angebot ab.

Die beiden Beispiele verdeutlichen, dass abgestimmte Prozesse und gemeinsame Formate von Jobcenter und AG-S eine zentrale Rolle für das Gelingen der Arbeitsmarktintegration von Geflüchteten spielen.

Arbeitsmarktintegration von Frauen mit Fluchterfahrung

Eine Zielgruppe, deren Arbeitsmarktintegration bisher deutlich verzögert verläuft, ist die der Frauen aus den wichtigsten Asylherkunftsländern (TOP 8). Die am Prozess beteiligten Einrichtungen verwiesen hierzu vor allem auf ihre Zusammenarbeit mit dem über den Europäischen Sozialfonds Plus finanzierten Bundesprogramm „MY TURN – Frauen mit Migrationserfahrung starten durch“. So kooperiert das Jobcenter Vogtland mit dem Projekt „Migrantinnen offensiv ins Vogtland eingliedern (MoVe)“. Dabei werden in gemeinsamen Fallbesprechungen zwischen den Coaches des Trägers und den Integrationsfachkräften des Jobcenters u. a. weitere Fördermöglichkeiten, z. B. im Bereich Sprache, abgestimmt. Aus Sicht des Jobcenters stellt das Projekt eine wichtige Ergänzung zur Regelförderung dar, damit viele Teilnehmerinnen trotz der Herausforderungen Integrationsfortschritte erzielen.

Um die Arbeitsmarktintegration von geflüchteten Frauen nachhaltig zu verbessern, kooperiert die Bundesagentur für Arbeit über die Stabstelle der Beauftragten für Chancengleichheit am Arbeitsmarkt (BCA) zudem mit dem von der Stiftung Mercator geförderten Projekt „Sefa – Nachhaltige Arbeitsmarktintegration (formal) geringqualifizierter Frauen mit Fluchterfahrung“. Dafür werden in bundesweiten Transferformaten gemeinsam mit den BCA diverser Jobcenter erfolgreiche Ansätze analysiert. Im Fokus steht dabei nicht die Frage „Was fehlt?“, sondern „Was funktioniert?“. Ergänzend dazu sind arbeitsplatzbezogene Kooperationen zwischen Jobcentern, Agenturen für Arbeit und lokalen Kooperationspartnern geplant.

Die Erkenntnisse des Kompetenz- und Transferprozesses zeigen deutlich, dass die Arbeitsmarktintegration von Geflüchteten eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe darstellt und nicht allein durch arbeitsmarktpolitische Maßnahmen zu bewältigen ist. Eine langfristige, gute Beschäftigung von Geflüchteten ist dabei nicht nur im Interesse der Zielgruppe selbst, sondern auch im Interesse einer zukunftsfähigen Gesellschaft und eines stabilen Arbeitsmarkts.

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