Perspektivlosigkeit in der Schulsozialarbeit

Gastbeitrag von Alina Schicketanz | Schulsozialarbeiterin

Als Schulsozialarbeiterin begleite ich seit Jahren geflüchtete Jugendliche und junge Erwachsene. In meiner täglichen Arbeit erlebe ich immer wieder, wie schwer es diesen jungen Menschen gemacht wird, trotz großer Anstrengungen und Integrationsbereitschaft eine verlässliche Perspektive zu entwickeln. Häufig werden Erwartungen an sie gestellt, die sie erfüllen sollen, während ihnen das gleichzeitig durch widersprüchliche Entscheidungen erschwert wird oder ihnen die notwendigen Voraussetzungen dafür verwehrt werden. Dies führt nicht selten zu Frustration, Resignation und dem Gefühl, dass sich ihre Bemühungen letztlich nicht auszahlen. Besonders belastend ist es, wenn junge Menschen nach Jahren des Lernens, Wartens und Hoffens plötzlich das Gefühl bekommen, dass all diese Schritte nichts wert waren.

Diese Situation betrifft aus meiner Sicht auch die Arbeit der vielen Menschen, die diese Jugendlichen begleiten: Sozialarbeiter*innen, Beratungsstellen, Lehrkräfte, Jugendhilfe und ehrenamtlich Engagierte investieren über Jahre Zeit, Vertrauen, Beziehungsarbeit und fachliche Unterstützung und begleiten die jungen Menschen durch schwierige Lebensphasen. Wir motivieren sie, sich anzustrengen, Deutsch zu lernen, Abschlüsse zu erreichen, Ausbildungen aufzunehmen und sich in die Gesellschaft einzubringen.

Wenn diese Bemühungen dann durch unklare oder widersprüchliche Entscheidungen immer wieder infrage gestellt werden, entsteht auch bei den begleitenden Fachkräften zunehmend das schmerzliche Gefühl, dass die eigene Arbeit an Glaubwürdigkeit verliert. Es ist schwer vermittelbar, junge Menschen immer wieder zu motivieren und ihnen Perspektiven aufzuzeigen, wenn gleichzeitig die Rahmenbedingungen diese Perspektiven häufig nicht zulassen. Oft hinterlässt es den Eindruck, dass (Spiel-)Regeln und Entscheidungen willkürlich und undurchsichtig verändert werden. Ich wünsche mir daher mehr Transparenz, einen einheitlichen und nachvollziehbaren Umgang und das Aufzeigen realistischer Perspektiven.