„Ohne Integrationskurs gibt es keinen Fortschritt“

Interview mit Mohamad Alabdullah

Eine Person zeichnet mit einem Stift auf einem technischen Plan, der auf einem Holztisch liegt, umgeben von weiteren Plänen und einem Stiftehalter.cw. Mohamad Alabdullah ist seit ungefähr einem Jahr Teilnehmer bei BLEIBdran+. Er kam zu uns, da ihm die Ausländerbehörde rechtswidrig ein Fantasiepapier erteilt hatte. Zum Glück konnten wir dieses Problem in seinem Fall schnell klären. Seitdem unterstützen wir Mohamad Alabdullah bei seinem Weg in den Arbeitsmarkt. Wir sind sehr beeindruckt von seiner Zielstrebigkeit und freuen uns daher, dass er sich bereit erklärt hat, mit uns zu sprechen!

BLEIBdran+: Danke, dass du dir die Zeit für ein Interview nimmst! Kannst du dich unseren Leser*innen kurz vorstellen?

Mohamad Alabdullah: Mein Name ist Mohamad Alabdullah. Ich komme aus Syrien, in drei Monaten werde ich 29 Jahre alt. Von Beruf bin ich Architekt, ich habe mein Studium in meiner Heimat abgeschlossen. In Erfurt wohne ich seit anderthalb Jahren.

BLEIBdran+: Du hast sehr schnell Deutsch gelernt – wie ist dir das gelungen?

Mohamad Alabdullah: Echt? Ich weiß nicht. Ich finde, es ist normal, das wäre ja sonst schlecht. Und ich bin generell ein Schnelllerner – das ist eine Eigenschaft von mir. Wenn man etwas liebt, macht man es schnell und gerne. Deutschlernen ist für mich keine Pflichtaufgabe, ich mache das gern und ohne Stress. Jetzt versuche ich sogar einen deutschen Roman zu lesen. Ich habe Theresa [BLEIBdran+-Beraterin] gesagt, dass ich den Roman vor zwei Tagen gekauft habe. Ich schaue auch deutsche Serien und deutsche Nachrichten. Habe ich jetzt viele Fehler gemacht?

BLEIBdran+: Überhaupt nicht! Wie bist du zu BLEIBdran+ gekommen?

Mohamad Alabdullah: Ich habe den Sozialmitarbeiter gefragt, wie ich meinen Abschluss anerkennen lassen kann. Er hat gesagt, es gibt ein Institut, IBS, die helfen. Dann bin ich hierhergekommen für einen Termin. Damals war mein Deutsch noch sehr schlecht. Ich musste ein paar Monate warten, bis ich bessere Deutschkenntnisse hatte, dann bin ich nochmal gekommen und ich hatte einen Termin mit der Anerkennungsberatung. Sie haben mich in die Berufliche Beratung zu BLEIBdran+ vermittelt.

BLEIBdran+: Was sind deine beruflichen Pläne?

Mohamad Alabdullah: Mein beruflicher Plan hängt mit meiner aufenthaltsrechtlichen Situation zusammen. Normalerweise würde ich gern als Architekt arbeiten. Aber mein Asylantrag wurde vom BAMF abgelehnt. Mein Ziel ist, jetzt eine Ausbildung zu finden. Ich suche eine Ausbildung, die mit meinem Beruf zusammenhängt, zum Beispiel als Bauzeichner.

BLEIBdran+: Welchen Tipp hast du für Geflüchtete, die neu nach Deutschland kommen?

Mohamad Alabdullah: Das ist eine schwierige Frage. Ganz ruhig bleiben, keine Angst vor der Sprache haben. Sie müssen sich um das Sprachelernen bemühen. Das ist am wichtigsten. Ohne Sprache schafft man nichts. Immer durchhalten – die ersten Monate oder Jahre sind schwer, oft nicht einfach. Am Ende kann man seine Ziele erreichen.

BLEIBdran+: Hast du davon gehört, dass die Bundesregierung keine freiwilligen Integrationskurse für Geflüchtete im Asylverfahren mehr ermöglichen will? Wie findest du das?

Mohamad Alabdullah: Das ist echt unfair. Manche Leute brauchen einen echten Integrationskurs. Ohne Integrationskurs gibt es keinen Fortschritt. Der Integrationskurs dauert ca. 1 Jahr – in diesem Jahr kann man viele Aufgaben erledigen und dann kann man sich gut in den Arbeitsmarkt integrieren.

BLEIBdran+: Vielen Dank für das Interview!